Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin

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Geschichte der diplomatischen Vertretung

Ein historischer Überblick von der Diplomatischen Vertretung in Deutschland seit 1918 bis heute.

Zwischen den Jahren 1718 und 1918 wurden die habsburgischen Kronländer, seit dem Jahre 1804 das österreichische Kaiserreich, seit 1867 Österreich-Ungarn in 725 Konsulaten auf der ganzen Welt vertreten. Zur Gründung des ersten Konsulates in einer deutschen Hansestadt kam es im Jahr 1782 in Hamburg. Im Jahre 1784 folgten Bremen und Lübeck und ein Jahr später die damals dänische Stadt Altona. Bis zum Jahre 1918 existierten auf deutschem Gebiet 38 Konsulate, deren Schicksal nach dem Zerfall Österreichs-Ungarns im Jahre 1918 besiegelt war.

1. 1918 - 1939 Mastný-foto
Der tschechoslowakische auswärtige Dienst wurde bei der Entstehung der Republik praktisch von Grund auf aufgebaut. Die Tschechoslowakische Botschaft begann ihre Tätigkeit nach der Rückkehr des Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk nach Prag Ende des Jahres 1918. Das bis dahin zweckmäßig gestaltete Amt wurde jedoch im September 1919 nach der Rückkehr des Außenministers Edvard Beneš mit der Delegation aus der Friedenskonferenz in Paris vollendet.
Die Tschechoslowakische Regierung unterhielt in dieser Zeit Kontakt mit dem deutschen Vermittlungskonsulat in Prag. Am 5. Mai 1919 wurde das inoffizielle Vertretungsamt in Berlin - das sogenannte "Amt des diplomatischen Bevollmächtigten" - eingerichtet. Nach Abschluss des Friedensvertrags wurde dieses Amt am 24. März 1920 in eine Botschaft umgewandelt.

Berlin
1919 - 1920 Eduard Kömer, Chef des Amtes des diplomatischen Bevollmächtigten, ab 24. März 1920 chargé d'affaires
1920 - 1921 Miloš Kobr, Minister
1921 - 1925 Vlastimil Tusar, Gesandter
1925 - 1927 Kamil Krofta, Gesandter
1927 - 1932 František Chvalkovský, Gesandter
1932 - 1939 Vojtěch Mastný, Gesandter

Generalkonsulat Vojtěch Mastný


Dresden
Das Generalkonsulat in Dresden begann seine Tätigkeit am 26. Mai 1919 als "Tschechoslo-wakische Vertretungsbehörde". Im Jahr 1920 wurde es in ein "Konsulat" umgewandelt und am 1. Januar 1921 in ein "Generalkonsulat". Die Arbeit wurde am 16. März 1939 eingestellt.

26. Mai 1919 Miroslav Schubert, Konsulatsattaché
17. Januar 1921 Antonín Šoupa, Generalkonsul
1. Juni 1927 Dr. František Šebesta, Generalkonsul
12. September 1932 Zeno Zavázal, Generalkonsul
6. April 1935 Dr. Jan Glos, Generalkonsul


Frankfurt am Main
Das ursprüngliche Vizekonsulat, eingerichtet durch den Erlass des Außenministeriums vom 9. Mai 1919, wurde durch den Erlass des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten am 12. Februar 1925 aufgelöst und in ein Honorarkonsulat umgewandelt. Durch einen Beschluss der Regierung vom 4. Juli 1929 wurde das Honorarkonsulat aufgelöst und ab dem 1. August 1930 in ein effektives Generalkonsulat umstrukturiert. Mit dem Entschluss der Regierung von 9. Juli 1936 wurde die Tätigkeit ab dem 20. November 1936 eingestellt.

1. Juni 1919 Antonín Blahovský, Vizekonsul
26. April 1920 Josef Tubl, Konsularrat
28. Juli 1930 Dr. Jindřich Andriál, Konsul
1. Juli 1933 Dr. Jindřich Andriál, Generalkonsul


Hamburg
Am 1. Mai 1919 nahm das "Amt der Vertreter der Tschechoslowakischen Republik" seine Tätigkeit auf. Nach der Verordnung des MZV vom 7. Juni 1920 wurde es in ein Generalkon-sulat umgewandelt. Die Tätigkeit wurde am 21. März 1939 eingestellt.

1. Mai 1919 Konstantin Sedláček, Vizekonsul
19. Mai 1920 Ing. Hugo Vavrečka, Generalkonsul
25. Juli 1922 Jan Šeba, Generalkonsul
10. Juli 1923 Jan Matějček, Generalkonsul
27. März 1935 Ing. Vojtěch Krbec, Generalkonsul


Köln (am Rhein)
Im Mai 1919 wurde das "Amt der Tschechoslowaktischen Republik" eingerichtet. Im August 1920 wurde es in ein Konsulat umgewandelt. Die Tätigkeit endete am 24. März 1939.

1. Mai 1919 Josef Skokan, Konsulatssekretär
28. August 1920 Konstantin Sedláček, Konsul
5. September 1924 František Kopecký, Generalkonsul
1. August 1932 Julius Brabec, Konsul
31. August 1935 Vladimír Černošek, Generalkonsul


München
Die Tätigkeit des Konsulats wurde am 16. Juni 1919 aufgenommen. Am 28. Februar 1929 wurde es zum Generalkonsulat erhoben. Im März 1939 wurde die Arbeit beendet.

18. Juni 1919 Antonín Blahovský, Vizekonsul
20. Januar 1921 Bohuslav V. Beneš, Generalkonsul
13. April 1923 Dr. Karel Feistmantel, Legionsrat
15. April 1929 Dr. Artur Pacák, Generalkonsul
1. November 1933 Jaroslav Ziegler, Generalkonsul

Oppeln (bis zum Jahre 1921)
Das Amt begann seine Tätigkeit am 1. Mai 1920, diese wurde nach dem Beschluss der Regie-rung vom 19. Dezember 1921 eingestellt. Das Konsulat in Breslau übernahm die Generalagenda des Konsulats.

1. Mai 1920 Dr. Jilji Pořizek, Generalkonsul

Wien (Frühling 1938 bis 1939)


Konsulate Vizekonsulate
Bremen Dortmund
Nürnberg Leipzig
Chemnitz
Stuttgart


2. 1939 - 1945
Die deutsche Besatzung der restlichen tschechischen Länder vom 15. März 1939 sollte zur sofortigen Beendigung der auswärtigen politischen Aktivitäten des Staates führen.

Deklarace připojení československa k německé říši - náhled

Die Erklärung der deutschen und tschechoslowakischen Regierung vom 15.März 1939, in der der Staatspräsident Hácha unter militärischem Druck und unglaublichen gewaltsamen Drohungen erklärte, "daß er das Schicksal der tschechischen Nation und des tschechischen Lan-des mit vollem Vertrauen in die Hände des Führers des Deutschen Reiches legt."
Die Akte ist von Adolf Hitler und Emil Hácha, sowie von den Außenministern Joachim Ribbentrop und František Chvalkovský unterschrieben.

Die Verordnung über die Errichtung des Protektorats vom 16. März 1939 finden Sie hier.

Die verordnete Beendigung des Außendienstes lief in Deutschland an den zuständigen deut-schen Diplomaten vorbei, und auf dem Gebiet ihrer damalige Verbündeten, aber auch in den Reihen weiterer Staaten befürchtete man die Reaktion Berlins auf die fortschreitenden tsche-choslowakischen Aktivitäten.

Der Gesandte Vojtěch Mastný wurde gezwungen nach Prag zurückzukehren. Die Bilanz der Vorkriegsphase der tschechoslowakischen Diplomatie in Berlin fasste er so zusammen:

Die Gesandtschaft des Protektorats Böhmen und Mähren beim Reich hatte seinen Sitz am Kurfürstendamm 190/92, Ecke Schlütterstraße. Zum Gesandten wurde der tschechoslowaki-sche Außenminister František Chvalkovský ernannt. Im Juni 1939 nahm er seine Tätigkeit auf, welche allerdings immer mehr auf die Beglaubigung von Dokumenten und den aus-schließlich formellen Kontakt zur Reichskanzlerschaft beschränkt wurde. Die ganze Zeit über legte das Reich die Betonung auf den formellen Aufbau der Botschaft und sah die Perspektive der Liquidierung als logische Folge der " Natürlichen Eingliederung" des sogenannten Protek-torats ins Reich.
Gegen die Beschränkung der Kompetenzen ging niemand vor, vielmehr wurde im "RGBJ 1940, S.22" festgesetzt, dass die Botschaft als Subjekt de facto nicht existierte. Der Reichs-protektor von Neurath betonte darüber hinaus in der Verordnung "VBI. R. Prot. 1940, s.15", dass die Vertretung als Amt nicht exisitierte, aber nur eine natürliche Person mit dem Titel Gesandter das sogenannte Protektorat in Berlin vertrete. Wenn sich die Reichsinstitutionen, außer der Reichskanzlei, mit ihren Angelegenheiten an Chvalkovský wandten, war es Pflicht, die Angelegenheit an das Amt des Reichsprotektors in Prag abzutreten. Der Gesandte Chval-kovský war nicht Teil der diplomatischen Corps. Das definitive Ende der Vertretung im Pro-tektorat begann am 25. Februar 1945, als der Gesandte Chvalkovský in Berlin während einer Bombardierung der Alliierten starb.

Gesandtschaft: Kurfürstendamm 190/92

Gesandtschaft: Kurfürstendamm 190/92

Wohnvilla des Protektoratsgesandten

Wohnvilla des Protektoratsgesandten: Sven- Hedin- Straße 11, Berlin Zehlendorf

Das Gebäude der ehemaligen Botschaft in der Rauchstraße im Berliner Bezirk Tiergarten wurde am Ende des Krieges ausgebombt.

Rauchstraße

 

das Gebäude der mexikanischen Botschaft

das Gebäude der mexikanischen Botschaft 2

Heute steht hier das Gebäude der mexikanischen Botschaft.

Die Kriegserklärung finden Sie hier.

Der Präsident der Tschechoslowakei gab am 3. Februar 1955 die Erklärung über das Ende des Kriegszustandes mit Deutschland bekannt.


3. 1945 - 1948
Die tschechoslowakische Militärmission beim alliierten Kontrollrat in Deutschland
Am 5. Juni 1945 gaben die Regierungen Großbritanniens, der USA, der Sowjetunion und die vorläufige Regierung der Republik Frankreich eine gemeinsame Erklärung heraus, auf deren Grundlage 16 Staaten der Organisation der vereinten Nationen von vereinten Kontrollrat zur Bildung der Militärmission in Deutschland aufgefordert wurden. Der Aufruf wurde mit Ausnahme von Neuseeland von allen Ländern angenommen.
Die Vertreter der einzelnen Militärmissionen dieser Staaten begannen, während der letzten beiden Monate 1945 und zu Beginn des Jahres 1946 in Berlin anzukommen. Da es nicht genügend Unterbringungsmöglichkeiten gab, wurde die Zahl der beauftragten Vertreter jeder Mission auf 10 Leute begrenzt. Außerdem war der Aufenthalt von Familienangehörigen gar nicht vorgesehen. Im Laufe der Zeit wurden die Mitglieder der tschechoslowakischen Missi-on, zusammen mit den Brasilianern, Chinesen und Dänen im amerikanischen Sektor unterge-bracht, die Australier, Kanadier, Griechen, Inder, Niederländer, Norweger, Polen und Südaf-rikanier im britischen Sektor, die belgische und luxemburgische Mission im französischen und die jugoslawische Mission im sowjetischen Sektor.

Die tschechoslowakische Militärmission begann ihre Tätigkeit beim vereinten Kontrollrat in Deutschland in der Limonenstraße 27 (heute ein Teil der Freien Universität Berlin) am 8. januar 1946. Der Sitz der leitenden Mission befand sich nicht weit davon - in der Podbielski Allee 54 (heute die Lessing Hochschule für Erwachsenenbildung).

Limonenstraße 27

Podbielski Allee 54

Podbielski Allee 5

Limonenstraße 27


Die Militärmissionen in Berlin hatten de facto diplomatischen Status und ihnen wurden viele diplomatische Privilegien gewährt. Sie ersetzten die Botschaft oder die Gesandtschaft und ihre Tätigkeit umfasste die üblichen diplomatischen und konsularischen Aktivitäten. Überdies boten sie vielen Problemen die Stirn, die mit dem Ende des Krieges und einigen Staatsinteres-sen zusammen hingen. Diese waren Restitution und Reparation, die Heimkehr deutscher Kriegsgefangener und evakuierter Menschen zurück nach Deutschland, die Heimkehr inter-nierter und anderer Kriegsgefangener aus Deutschland in ihre Länder, die Suche nach ver-missten Menschen und Kriegsgräbern, aber auch Aktivitäten im Bereich der sozialen Arbeit zwischen den eigenen Staatsangehörigen in Deutschland und die Wiedererneuerung der gewöhnlichen Handelsbeziehungen.


Berlin

Václav Paleček 1/1946- 10/1946

Josef Košek 11/1946- 3/1947

František Dastich 3/1947- 12/1948

Václav Paleček Václav Paleček František Dastich František Dastich

General Dastich trat Ende des Jahres 1948 zurück. Sein Amt übernahm Dr. Bedřich Bruegel in der Funktion chargé d'Affaires.

Generalkonsulat
Baden - Baden
Frankfurt
München
Hamburg

4. 1949-1989
Die Bundesrepublik Deutschland (BRD)
Da keine diplomatischen Kontakte existierten, nutzten beide Regierungen die sogenannten "guten Dienste" dritter Staaten. Auf der Grundlage der Absprache vom 3. August 1967 errichteten beide Länder im Februar 1968 ihre Handelsvertretungen.
In den Jahren 1971 bis 1973 verliefen die Verhandlungen über den Vertrag über die gegensei-tigen Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und der Bundesrepublik Deutschland. Der Vertrag wurde am 11. Dezember 1973 unterzeichnet und seit diesem Tag verbanden beide Länder diplomatische Beziehungen.

Die tschechoslowakische Militärmission beim alliierten Kontrollrat in Deutschland (seit 1960 die tschechoslowakische militärische Mission in Westberlin)

1950-1953 Gustav Solar
1953-1956 Václav Havlin
1956-1958 Květoslav Hradecký
1958-1964 Miloslav Novák
1964-1969 Oldřich Křepelák
1969-1971 František Matal
1971 Ladislav Kouba

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR)
Offizielle Beziehungen nahmen beide Staaten am 18. Oktober 1949 auf. Bereits ab dem 1. Oktober 1948 gab es in Berlin im sowjetischen Sektor eine Handelsvertretung der Tschecho-slowakei bei der sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland. Sie nahm ihre Tätigkeit am 2. Dezember 1949 auf. Am 10. Oktober 1953 wurde die Mission in eine Botschaft umgewandelt.


12/1949- 6/1951 Otto Fischel, Chef der diplomatischen Mission, Gesandter
6/1951-4/1953 Emil Hršel, Chef der diplomatischen Mission, Gesandter
4/1953- 8/1956 Lubomír Linhart, Chef der diplomatischen Mission, Gesandter; ab dem 4.11.1953 Botschafter
8/1956-4/1961 Otto Klička, Botschafter
4/1961- 9/1964 Gustav Souček, Botschafter
9/1964- 2/ 1969 Václav Kolář, Botschafter
2/1969- 10/1971 František Krajičír, Botschafter
10/1971- 11/1976 Richard Dvořák, Botschafter
11/1976- 4/1982 František Hamouz, Botschafter
4/1982- 1989 Pavel Sadovský


5. 1990 bis zur Gegenwart
Bis zum Jahre 1999 wirkte in Berlin eine Außenstelle der Bonner Botschaft. Durch die neue Hauptstadt Berlin wurde die Bonner Botschaft zur Außenstelle sowie die Berliner Außenstelle zur Botschaft. Zum 1. September 2004 wurde die Niederlassung in Bonn im Zusammenhang mit dem Umzug der meisten für die Tschechische Republik wichtigen Institutionen nach Berlin in ein Generalkonsulat umgewandelt; im Jahr 2008 wurde das Generalkonsulat in Bonngeschlossen.

Jiří Gruša

Jiří Gruša, Botschafter 1990- 1998

 

František Černý

František Černý, Botschafter 1998- 2001

 

Boris Lazar

Boris Lazar, Botschafter Juni 2001-2006.

 

 

Rudolf Jindrák

Dr. Rudolf Jindrák, Botschafter seit 2006

 

Weiterf ührende Literatur:

Andre Francois-Poncet als Botschafter in Berlin (1931-1938)

Von Claus W. Schäfer

In deutsch 2004

ISBN: 348-656-844-2

Politisches Tagebuch 1932-1939

Von Camill Hoffmann

Alekto Verlag, Klagenfurt 1995

ISBN: 3-900743-90-8

Germanisierung und Genozid. Hitlers Endlösung der tschechischen Frage. Deutsche Dokumente 1933-1945

Von Boris Celovsky

Neisse Verlag, Dresden/Brünn 2005

ISBN: 393-403-8295

Der gesamte Inhalt hat nur informativen Charakter und es besteht kein Rechtsanspruch auf die Informationen.

Anlagen

Vertrag vom 15.März 1939 19 KB DOC (Worddatei ) 22.10.2008

Erklärung über den Kriegsstillstand 21 KB DOC (Worddatei ) 22.10.2008

Václav Paleček 19 KB DOC (Worddatei ) 22.10.2008