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Schriftsteller, Diplomat und Politiker Jiří Gruša ist gestorben

(This article expired 21.03.2013.)

Der Dichter, Schriftsteller, Übersetzer, Publizist, Diplomat und Politiker Jiří Gruša wurde 1938 in Pardubice geboren und studierte Philosophie und Geschichte an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität Prag. Er wirkte zunächst als Redakteur und Schriftsteller bei verschiedenen Medien wie Tvář (Mitgründer 1964) oder Sešity.

Für die Veröffentlichung von Auszügen seiner Prosa Mimner aneb Hra o smraďocha in der Zeitschrift Sešity wurde er 1969-1970 gerichtlich verfolgt und durfte seine literarische Tätigkeit nicht mehr fortsetzen. Bis 1980 arbeitete Jiří Gruša u. a. als Psychologe, Referent oder Polier in verschiedenen Bauunternehmen. Er ist Unterzeichner der Charta 77 und wurde aufgrund seines ersten Romans Dotanzník aneb Modlitba za jedno město a přítele (1975 Samisdat, Toronto 1978, Brno 1990), der die Absurdität des totalitären Systems offenlegt, inhaftiert.

1981 erhielt Jiří Gruša ein Literaturstipendium für die USA, wurde während des Auslandaufenthaltes ausgebürgert und erwarb 1983 die deutsche Staatsbürgerschaft. In der BRD wirkte er als freier Schriftsteller, gab u. a. Václav Havels Briefe an Olga. Betrachtungen aus dem Gefängnis (1984) heraus, publizierte eine Anthologie verbotener tschechischer Autoren Verfemte Dichter (1983) sowie den Erinnerungsband Prager Frühling, Prager Herbst (1988). 1990 erhielt Jiří Gruša die tschechische Staatsbürgerschaft zurück, wurde Botschafter der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik und ab 1993 Botschafter der Tschechischen Republik in Deutschland. Nach seiner Funktion als Minister für Bildungswesen, Jugend und Sport hatte er von 1998 bis 2004 das Amt des Botschafters der Tschechischen Republik in Österreich inne. 2003-2009 stand er dem internationalen P.E.N. Club als Präsident vor, 2005-2009 wirkte er als Direktor der renommierten Diplomatischen Akademie Wien.

Neben zahlreichen bedeutenden Werken im Bereich Poesie – für die Gedichtsammlung Grušas Wacht am Rhein aneb Putovní ghetto erhielt er 2002 die wichtigsten tschechischen Literaturpreise Magnesia Litera und Jaroslav-Seifert-Preis – entstanden Kinderbücher, Übersetzungen aus dem Deutschen (u. a. von Friedrich Schiller, Rainer Maria Rilke), Romane, wissenschaftliche Abhandlungen und zuletzt der bisher nur auf Tschechisch erschienene „Faktenroman“ Beneš jako Rakušan (Barrister & Principal, Brno 2011), den Jiří Gruša im April dieses Jahres in einer bilingualen Lesung mit dem Autoren und Schauspieler Miguel Herz-Kestranek im Tschechischen Zentrum Wien präsentierte.

Auf persönliche Anregung des Vizepremiers und Außenministers der Tschechischen Republik Herrn Karl Schwarzenberg wird am Samstag, 3. Dezember 2011, um 16.00 Uhr, in der Kirche zur Gottesmutter vor dem Teyn (Kostel Matky Boží před Týnem) Seine Exzellenz Mon. Dominik Duka, Erzbischof von Prag, tschechischer Metropolit und Primas, eine Gedenkmesse für den Verstorbenen Jiří Gruša gestalten.