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Photo: ©ČNFB/DTZF
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DTZF zieht Bilanz über Corona-Sonderförderprogramm

Angesichts der Corona-Pandemie hat der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds insgesamt 406 324 Euro bereitgestellt, um die Auswirkungen der Krise auf die deutsche und tschechische Gesellschaft wie auch auf die gegenseitigen Beziehungen zu verringern. Die finanzielle Unterstützung kam 96 Subjekten zugute, so etwa sozialen und medizinischen Dienstleistern aus der Grenzregion, Organisationen zur Unterstützung von NS-Opfern wie auch Einzelpersonen und Institutionen, die sich langfristig für die Verbesserung der deutsch-tschechischen Beziehungen einsetzen und infolge der unerwarteten Situation in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Die Sonderförderung stieß auf sehr positive Resonanz. Die ursprünglich bereitgestellten Mittel wurden daher im Laufe der Umsetzung um rund 37 000 Euro erhöht.

Unser Kulturzentrum lebt von den deutsch-tschechischen Begegnungen. Finden diese nicht statt, ist unsere gesamte Existenz bedroht. Die finanzielle Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds verwenden wir, um Miete, Strom und die Gehälter unserer Mitarbeiter zu zahlen“, sagt Lenka Holíková vom Kulturzentrum Řehlovice.

Das Kulturzentrum, das schon seit zwanzig Jahren ein Ort der Begegnung und gegenseitigen Inspiration deutscher und tschechischer Künstler ist, finanziert seine Tätigkeit normalerweise aus umgesetzten Projekten und Mieteinnahmen und arbeitet mit ehrenamtlichen Helfern aus dem Ausland zusammen. All diese Quellen sind während der Pandemie weggefallen, wodurch die ansonsten vitale Organisation in ernsthafte Schwierigkeiten geriet. Eben solchen „Brückenbauern“ wie dem Kulturzentrum Řehlovice wollte der Zukunftsfonds helfen, diese nicht einfache Zeit zu überstehen. Auf deutscher Seite hat u. a. die Berliner Akademie für Alte Musik Unterstützung erhalten. „Wegen der Corona-Krise mussten wir etliche Projekte abblasen. Durch ihren Ausfall sind unsere Einnahmen insgesamt um bis zu eine Million Euro eingebrochen“, beziffert Ensembleleiter Uwe Schneider die Verluste. Das namhafte Ensemble besteht aus über dreißig Musikern und widmet sich insbesondere der Darbietung von Barockmusik.

Ein weiterer Bereich, auf den die Unterstützung des Fonds abzielte, waren soziale und medizinische Projekte in der Grenzregion.

Das Spektrum der geförderten Aktivitäten war dabei sehr breitgefächert und umfasste das Nähen von Atemschutzmasken, die Beschaffung von Schutzutensilien, die Unterstützung von Kindern, die sich nicht am Homeschooling beteiligen konnten, wie auch die Gewährleistung einer stabileren Internetverbindung und eines Kultur- und Gesellschaftsprogramms für Senioren in Altersheimen. Zudem hat der Fonds den Betrieb eines Informationsservices für Pendler gefördert, die durch die Grenzschließung in eine besonders schwierige Lage geraten waren. Mehr als 14 000 in der Grenzregion tätige Personen hatten dadurch die Möglichkeit, aktuelle Informationen zu teilen.

Obgleich die Unterstützung des Fonds im Rahmen dieses Programms keine gemeinsamen deutsch-tschechischen Aktivitäten voraussetzte, reagierte die westböhmische Organisation KOS nicht nur in Tschechien, sondern auch in Bayern auf den Schutzbedarf der Bevölkerung. „Zu einem bestimmten Zeitpunkt bekamen wir mit, dass in einigen sozialen Einrichtungen in Deutschland Atemschutzmasken fehlten. Da war es für uns selbstverständlich, grenzüberschreitend zu handeln. Dank der Zusammenarbeit mit einem deutschen Partner konnten wir sicherstellen, dass die Schutzmasken unentgeltlich an Bedürftige verteilt wurden“, berichtet Lucie Poláková, die während der Krise die Herstellung und Verteilung der Masken durch ehrenamtliche Helfer koordinierte. Auch der Verein Oberstübchen aus dem bayerischen Regen hat sehr spontan auf die Krise reagiert und sich im Handumdrehen von einer Kultureinrichtung in einen Ort verwandelt, der Bedürftigen bei der Versorgung mit Lebensmitteln half.

Schließlich gingen die vom Fonds bereitgestellten Mittel auch an Organisationen, die sich um NS-Opfer kümmern. In der Tschechischen Republik leben noch mehrere Hundert Personen, die den nationalsozialistischen Terror überlebt haben. Aufgrund ihres Alters zählen sie zu der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppe. Durch sein Förderprogramm unterstützte der Zukunftsfonds Organisationen, die Holocaust-Überlebende jüdischer Herkunft wie auch aus den Reihen der Roma unterstützen. Ebenso förderte er die Tätigkeit des Hilfszentrums der Initiative Paměť národa. "Am Anfang gab es vor allem Interesse an Schmutzmitteln. Heute kümmern sich unsere Freiwilligen in erster Linie um Einkäufe, besorgen Medikamente und helfen im Haushalt. In einigen Fällen haben wir professionelle psychologische Hilfe gewährleistet, für Menschen mit Depressionen. Viele Menschen, die wir kontaktiert haben, waren aber auch einfach dankbar dafür, dass wir sie aus ihrer Isolation herausgeholt haben und sie wenigstens am Telefon mit jemand sprechen konnten“, so Jan Polouček vom Verein Post Bellum, der das Zentrum koordiniert.

„Während der Quarantäne gab es einen starken Rückgang des sozialen und wirtschaftlichen Lebens, aber die Zivilgesellschaft in unseren beiden Ländern ist nicht in Lethargie verfallen. Im Gegenteil, sie hat auch in dieser Ausnahmesituation erneut ihre unersetzliche Rolle bewiesen. Wir danken allen und freuen uns schon, aus dieser Erfahrung heraus gemeinsam unsere Nachbarschaft wiederzubeleben und uns an scheinbar selbstverständlichen Dingen zu freuen!“, so Petra Ernstberger und Tomáš Jelínek, die Geschäftsführer des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Weitere Informationen und Kontakt:

Silja Schultheis
Email: silja.schultheis@fb.cz
GSM: +420 737 505 790
http://www.zukunftsfonds.cz/de

Pressemitteilung des DTZF, 18. 6. 2020