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Photo: © Karel Cudlín
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Darüber, wie Lieferungen an die UN ablaufen, konnten sich die Teilnehmer des Internationalen Beschaffungsseminars (IPS) auf der Tschechischen Botschaft in Wien informieren

Das Seminar fand im Rahmen des Projekts zur Förderung der Wirtschaftsdiplomatie PROPED von 26.-27. April 2022 in Zusammenarbeit mit der Exportförderungsagentur CzechTrade und den Botschaften der Slowakei und Ungarns nach eineinhalb Jahren Vorbereitung zum ersten Mal in Wien statt. Sein Ziel war es aufzuzeigen, dass die UN nicht nur eine Organisation ist, die sich globalen Fragen widmet, sondern auch Waren und Dienstleistungen aus allen erdenklichen Sektoren nachfragt, und das im Wert von fast 20 Mrd. USD jährlich.

Die teilnehmenden Firmen hatten Gelegenheit, sich mit dem Einkaufsprozedere bei den UN vertraut zu machen und mehr über Möglichkeiten der Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen der Organisation zu erfahren. Zugleich war das Seminar eine ausgezeichnete Gelegenheit , Kontakte zu Einkäufern der einzelnen UN-Agenturen zu knüpfen.

Erstes hybrides IPS

In Wien, wo gleich mehrere bedeutende UN-Agenturen ansässig sind, fand das IPS-Seminar zum ersten Mal statt. Es handelte sich außerdem um das erste dieser Art seit Beginn der Covid-19-Pandemie, das in hybrider Form stattfand. „Successful first pilot hybrid UN International Procurement Seminar“: so wurde das Seminar von der Leiterin der UNDP Procurement Services Unit Kerry Kassow aus Kopenhagen bewertet, und tatsächlich kann die Veranstaltung als erfolgreiches Beispiel für die Organisation weiterer ähnlicher Seminare dienen.

Am Seminar nahmen Repräsentanten von 120 Unternehmen aus der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarn teil. Ferner 76 Einkäufer von 14 UN-Agenturen in Wien, Budapest, Rom, Genf, Kopenhagen und New York. Die Vertreter der Unternehmen hatten die Möglichkeit, an fast 300 persönlichen sowie Online-Meetings teilzunehmen. Unter den Anwesenden waren Einkäufer von FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation), WHO (Weltgesundheitsorganisation), WFP (Welternährungsprogramm), OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), IAEA (Internationale Agentur für Atomenergie) und UNIDO (Organisation für industrielle Entwicklung).

Vertreten waren Firmen vor allem aus den Bereichen Elektronik und Elektrotechnik, Lebensmittelindustrie, IT, Medizintechnik oder Bauwesen, darunter eine Reihe renommierter tschechischer Firmen wie LINET, HUTIRA-BRNO, SVOS, TATRA TRUCKS, HARTMANN-RICO, TESCAN ORSAY HOLDING oder SCHINDLER FOOD.

Eine ganze Reihe tschechischer Firmen hat gegenwärtig – und Covid-19 verstärkte diese unglückliche Situation noch – mit der Unzuverlässigkeit mancher Handelspartner zu tun und sieht sich mit Problemen bei der Projektrealisierung ebenso hinsichtlich der Zahlungsmoral konfrontiert. Derartige Probleme stellen bei den Geschäftsbeziehungen mit den UN nicht – die UN sind ein anspruchsvoller, aber sehr verlässlicher Partner mit langjähriger Tradition und globaler Dimension.

Am wichtigsten war laut den Reaktionen der Unternehmen das persönliche Gespräch mit den Einkäufern der einzelnen UN-Agenturen, da hier geklärt werden konnte, für welche dieser Agenturen das Angebot des jeweiligen Unternehmens von Vorteil ist. Als hilfreich empfanden viele Teilnehmer auch, dass sie ihre Erfahrungen mit dem Ausschreibungs- und Lieferprozess für UN-Organisationen mit anderen Unternehmen diskutieren konnten.

Panzertechnik und Krankenbetten

Einige der teilnehmenden Unternehmen haben bereits Erfahrung mit Lieferungen an die UN, bzw. liefern ihre Produkte regelmäßig an die Organisation. SVOS, ein führender tschechischer Hersteller von gepanzerten Fahrzeugen aus Přelouč, der seit mehr als 20 Jahren an verschiedene UN-Agenturen liefert, reüssiert regelmäßig in Ausschreibungen. Auch diesmal war SVOS ein wichtiger Teilnehmer des Seminars. „Obwohl wir an UN-Organisationen liefern, hatte unser Unternehmen noch keine Gelegenheit, sich mit Käufern einiger von ihnen zu treffen, wie der ILO oder UNIDO; persönliche Verhandlungen sind für Lieferungen auch im Falle einer Firma unentbehrlich, die in Bezug auf die UN bereits ein erfahrener Player ist", betonte der Verkaufsleiter der Firma, Štěpán Černý. Auch er bewertete die Präsentationen der einzelnen Agenturen sehr positiv.

„Gespräche mit Einkäufern einzelner Agenturen haben uns weiter vorangebracht und waren hilfreich, um die Bedingungen und technischen Spezifikationen in UN-Ausschreibungen besser zu verstehen“, sagt der Global Key Account Manager des weltweit führenden Herstellers von Betten für medizinische Zwecke LINET aus Tschechien, Jiří Plecitý. Über die UN hat das Unternehmen bereits Krankenbetten nach Syrien, Sri Lanka oder Bosnien und Herzegowina geliefert.

„In der Vergangenheit wurden wir von der IAEA angesprochen und wir haben es geschafft, den diesbezüglichen Deal abzuschließen. Wir wussten jedoch nicht viel über die UN-Beschaffungsprozesse. Die Teilnahme an dem Seminar war für uns nützlich, vor allem weil wir gelernt haben, wie interne Einkaufsprozesse innerhalb der UN funktionieren“, lobt Vítězslav Ambrož, Global Sales Deployment Manager von TESCAN ORSAY HOLDING.

„Success Stories“ oder wie man an Ausschreibungen der UN herangeht

Teil der Veranstaltung bildeten vier Podiumsdiskussionen, von denen sich die erste erfolgreichen Anbietern widmete. Für Tschechien stellte sich das Brünner Unternehmen HUTIRA vor, das umfassende Dienstleistungen im Bereich Gas- und Wasserwirtschaft, Industrie und Energiewirtschaft erbringt und überall dort passende Containerlösungen anbietet, wo Mobilität und Platzersparnis gefragt sind. Das Unternehmen unterstützt auch Umweltprojekte und beschäftigt sich mit der Produktion von Biomethan. HUTIRA liefert neuerdings Wasseraufbereitungsanlagen in die Ukraine, wo das Unternehmen bereits eine bedeutende Präsenz hat.

In den zwei darauffolgenden Panels, „Migration and Refugees“ und „Food and Agriculture“, befassten sich Vertreter der verschiedenen Organisationen mit den Auswirkungen des anhaltenden Konflikts in der Ukraine auf UN-Versorgungslieferungen, deren Strukturen und die UN-Beschaffungsprozesse, um flexible Hilfe leisten zu können. Ein weiteres wichtiges Thema war die drohende Unterbrechung von Lieferketten, die Gefahr einer Verknappung der Getreideversorgung aus der kriegszerrütteten Ukraine und die entsprechenden Auswirkungen auf den globalen Ernährungs- und Agrarmarkt.

Die vierte und letzte Podiumsdiskussion konzentrierte sich auf den Bereich „IT und Technologie“, und hierbei wurden Themen betreffend den Einkauf von Informationstechnologie im Rahmen der UN-Beschaffung und auch die Herausforderungen, mit denen dieser Bereich nach der Covid-Pandemie konfrontiert ist, diskutiert.

Lessons learned, oder was die Wirtschaftsdiplomatie tun kann

Der bestehende Anteil sowohl der Tschechischen Republik, sondern auch der beiden anderen teilnehmenden Länder am Volumen der UN-Beschaffung entspricht längst noch nicht dem Potenzial, das tschechische Unternehmen besitzen. Tschechien ist Nettozahler des UN-Haushalts und ein bedeutender Geber von Entwicklungshilfe, aber was die UN-Beschaffung angeht, rangiert es derzeit beim Liefervolumen nur auf Platz 120. Wir sehen daher erhebliche Möglichkeiten zur Verbesserung der langfristigen Handelskooperationen mit UN-Organisationen. Es ist notwendig, das dichte Netz der Botschaften der Tschechischen Republik insbesondere in Afrika und Asien zu nutzen, wo die UN eine Reihe von Länderbüros hat. Die Präsenz der Botschaft der Tschechischen Republik ist daher an den Orten, an denen einzelne UN-Organisationen ihren Sitz haben, von entscheidender Bedeutung. Vorteilhaft ist auch die enge Verbindung der Wirtschafts- und Handelsabteilungen mit den Büros der Exportförderungsagentur CzechTrade.

 

Pavlína Šrámková, Leiterin der Wirtschafts- und Handelsabteilung, Botschaft der Tschechischen Republik in Wien

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International Procurement Seminar